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Zeitlose Kunst? -

 

Kunstlose Zeit?

[von Bettina Klimbacher]

 

Die Frage, „Was ist Kunst?“, beschäftigt den Bildhauer ebenso, wie die Frage nach der Aufgabe der Kunst. Kunst hat nicht allein den Anspruch „schön“ zu sein, sie ist Zeitdokument. In der Kunst spiegelt sich der kulturelle Stand einer Epoche wider, Leben wird sichtbar. Wie viel Zeit nimmt man sich für Kultur, für Kunst ? Was war oder ist der Gesellschaft wichtig, wie lebten, bauten die Menschen? Was blieb übrig, was ist in unsere heutige Zeit überliefert und übernommen worden? Was waren die Anliegen von damals? Kirchen, Tempel, Pyramiden, Paläste, Gräber, Bilder; Darstellen von Macht, Religion, Reichtum; ist das alles? Bildende Kunst als Ausdruck nonverbaler Philosophie? Ein Versuch, Gedanken einen Körper zu geben, sie sichtbar zu machen? Lässt der Ausdruck einer Skulptur weniger Missverständnisse zu, als die Sprache es tut, oder ist es nur die Möglichkeit, einen gefassten Gedanken zu erhalten? Immer schon wollten sich die Künstler mitteilen und haben damit wichtige Hinweise auf vergangene Kulturen hinterlassen. Tatsache ist, dass es auch im dargestellten Gedanken Missverständnisse gibt.

Oft schnell gesagte Kritik ohne eigentliche Auseinandersetzung mit dem Werk ist das, was den Künstler >> Andres Klimbacher an  unserer Zeit zweifeln lässt und er kritisiert ihre Schnelllebigkeit. Um dem Publikum einen deutlicheren und intensiveren  Zugang zur bildnerischen Kunst zu bieten, veranstaltet er >> Bildhauersymposien.

 

So kommen die BetrachterInnen in den Genuss, eine Skulptur wachsen zu sehen. Die Kunst geht auf die Menschen zu und wird in dieser Begegnung zu einem Teil des Alltäglichen. Mit den BetrachterInnen und Künstlerkollegen in Dialog treten, die anderen am Entstehungsprozess teilhaben lassen, sie neugierig machen, mit ihnen über die Idee diskutieren, und zeigen, dass ein Künstler nicht nur ein Träumer ist, sondern jemand, der seine Träume verwirklicht, ihnen eine Form gibt. Wichtig für Andres ist es auch, sich der allgemeinen kulturellen Vielfalt bewusst zu werden. So zog es ihn beispielsweise an die Westküste Kanadas, wo er auf Vancouver Island mit >> Theo Mahood, einem sogenannten „Native American“ vom Stamm der HAIDA zusammenarbeitete, um dessen heutige Lebensweise und die überlieferte Symbole seiner Kultur zu verstehen. >> Die gemeinsamen Arbeiten stellen eine kulturelle Verbindung her, deren Symbolik immer wieder in Werken des Künstlers auftaucht.

 

Seit ich ihn kenne, erlebe ich ihn als ungemein konsequenten Menschen, der hartnäckig und zielstrebig an seinem Weg als Künstler arbeitet. Seine >> Skulpturen zeigen eine eigene Linie und Formgebung und lassen seine Handschrift deutlich erkennen. Sie sind geprägt von einer individuellen Genauigkeit, wobei die Form und die Ästhetik im Vordergrund steht. Der Perfektionismus, den er an den Tag legt, hindert seinen Schaffensdrang keineswegs. Im Gegenteil, er stellt sich immer neuen Aufgaben und Herausforderungen, sowohl im künstlerischen als auch im handwerklichen Bereich -- eine Einstellung, die seine Entwicklung nur vorantreibt, nicht hemmt. 

 

Andres Klimbacher arbeitet mit >> Holz und Metall.

Seine Bronzefiguren sind geschweißt und haben den menschlichen Körper zum Thema: Da ist ein Kind, das auf dem Brunnenrand balanciert, gehalten von der Mutter. Die Darstellung der Situation ist kubistisch und doch weich und rund in der Bewegung, im Ausdruck. Dort sieht man einen Lesenden, ein vertrautes Bild aus dem Leben gegriffen. Ist es das Alltägliche, was seine Figuren und Skulpturen so ansprechend macht? Vielleicht. Aber das ist nur ein Teilaspekt, denn seine Kombinationen aus Holz und Edelstahl sind durchaus von einer schlichten Abstraktion geprägt. Er spielt mit dem Kontrast der Materialien, ergänzt Metall mit Holz und passt sie aneinander an, lässt sie ineinander fließen, in Beziehung treten. Kontraste, Gegensätze, Stützen, Gleichgewicht oder Ungleichgewicht --- es entsteht ein Spannungsbogen, der die BetrachterInnen in seinen Bann zieht. Durch seine klare Formgebung entsteht ein Bild der Ruhe und Eleganz, unterstrichen von der Spiegelpolitur des Metalls. „Edelstahl ist ein Metall, das durch seine glänzende Oberfläche die Farben des Raumes wiederspiegeln kann und mit diesem eins wird, sich seiner Umgebung anpasst. Somit verliert es seinen kalten Charakter“, erklärt Andres Klimbacher. Er verweist damit auf die Transparenz des Materials, ein auch in der Architektur häufig verwendetes Stilmittel.

 

[>> VITA Andres Klimbacher]

 

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