[DIE MATERIALIEN]

WOOD
& STEEL
Andres Klimbacher im Interview
Andres, warum eigentlich Holz und Metall?
Andres:
Den Gegensatz
zwischen diesen Materialien finde ich sehr spannend; Metall, in meinem Fall fast
immer Edelstahl, ist durch seine Ausstrahlung sehr hart und kalt, klinisch und
steril. Holz als "gewachsenes Material" wirkt dagegen weich und warm,
es ist lebendig und wird durch die Jahresringe strukturiert. Diese Materialien
sind für mich totale Gegensätze, vielleicht wie
Mann und Frau, wenn du so willst.
Wenn
du schon so ein interessantes Beispiel bringst, muss ich dich auch gleich
fragen: Siehst du Ähnlichkeiten zwischen Dir und den Materialien?
Andres: Ich glaube, jeder
Mensch fühlt sich zu gewissen Materialien hingezogen – der eine liebt Holz,
der andere die Steine etc. Bei mir wechselt dieses "sich hingezogen Fühlen"
zu einem bestimmten Material immer wieder – manchmal "brauche" ich
das Holz, dann wiederum das Metall als Ausgleich.
Ich glaube,
Ausgleich ist generell wichtig für jeden Menschen, besonders für Künstler und
Künstlerinnen. Was gibt dir die Kraft, die du brauchst? Und was kostet umgekehrt die meiste Energie?
Andres: Viel
Kraft gibt mir, kreative Gedanken explosionsartig freizulassen, besessen zu sein
von einer Idee. Dieser Idee aber dann bis zum Schluss treu zu bleiben, ist harte
Arbeit und kostet viel Energie und Konsequenz, denn auch noch während der
Ausarbeitung kommen neue Ideen dazu, die ich dann am liebsten gleich einbauen möchte
- aber sie müssen warten, denn es ist nicht gut, zu viel in eine Skulptur
hineinlegen zu wollen.
Wie gehst du mit Rückschlägen und Frustration um?
Andres:
Gut. (er lacht wie zur Bestätigung)
Du hast einmal gesagt, "Alles hat ein Aussehen, auch deine Gedanken". Geht es also nur um materielle Fleischwerdung des Inneren? Oder könnte der Prozess auch in die andere Richtung funktionieren?
Andres: Natürlich funktioniert der Prozess auch umgekehrt - und zwar beim Betrachter. Dabei wird das Kunstwerk quasi zur Sprache, die sich eben anderer „Laute“ bedient, als unsere gesprochene Sprache.
Du meinst, das Kunstwerk spricht aus sich selbst heraus? Und wir als Betrachter verstehen es? hast einmal gesagt, "Alles hat ein Aussehen, auch deine Gedanken". Geht es also nur um materielle Fleischwerdung des Inneren? Oder könnte der Prozess auch in die andere Richtung funktionieren?
Andres: Genau. Im Idealfall ist das wohl so... (denkt nach)

Ich schätze dich sehr sensibel und zugleich kompromisslos ein. Viele Künstler, natürlich auch männliche, besitzen diese
Eigenschaften. Kannst du mit dieser Zuschreibung etwas anfangen?
Andres: Ja, denn prinzipiell glaube ich, dass ein gewisses Maß an Sensibilität, aber auch Kompromisslosigkeit notwendig ist, um kreativ und künstlerisch tätig zu sein, ohne das geht es gar nicht. Sensibilität, um etwas aus „anderen Ebenen“ des alltäglichen Lebens wahrzunehmen – aus diesem „Wahrgenommenen“ entsteht der Wunsch, aber auch der Drang, kreativ bzw. künstlerisch tätig zu werden. Und dann kommt die Kompromisslosigkeit, diese Gedanken ohne Kompromisse in die Wirklichkeit umzusetzen und auch noch später, bei Ausstellungen usw. zu diesem damals Gedachten zu stehen.
Das verstehe ich genau. Das hat dann letztlich auch alles sehr viel damit zu tun, wie man sich selbst und seine Arbeit sieht. Was bedeutet es also für dich, Künstler zu sein?
Andres: Es ist mein Leben, mein Schicksal, mein Job, nenne es wie du willst. Der Eine wird Maurer, der Andere Vertreter und ein Dritter eben Künstler. Jeder tut das, was er „glaubt“ am besten zu können... man kann nur hoffen, keinem Irrtum zu unterliegen! (lächelt)
Mir persönlich gefallen deine schlichtesten Werke am besten. In welchen Phasen oder Gemütsverfassungen entstehen sie? Oder ist dir die Frage zu persönlich für eine Website, die jeder lesen kann?
Andres: Die „schlichten Arbeiten“ nenne ich die Arbeiten mit klarer Formensprache, sie entstehen in Momenten, in denen mir selbst alles klar erscheint – in denen ich nicht versuche, zu viel zugleich zu sagen. In diesen Phasen ist meist alles O.K. in meinem Leben, ich bin in der Lage, etwas auf den Punkt zu bringen, du weißt sicher was ich meine - man hat Zeit, sich nur EINEN Gedanken durch den Kopf gehen zu lassen.
Das
ist also kein Luxus, sondern so gesehen eigentlich ein Muss, oder?
Andres: Ja. Oder ein erklärtes Ziel, besser und weicher ausgedrückt.
Ich
glaube, du weißt, was ich meine, wenn ich sage, dass viele deiner
Skulpturen eine stark erotisch-sinnliche Komponente aufweisen. Kannst du dieses
Phänomen ein wenig näher erläutern?
Andres: Ich glaube, dass die Empfindungen, die beim Betrachter hervorgerufen werden, absolut konträr sein können, allerdings muss ich dir zum Teil Recht geben, denn wie ich schon am Beginn gesagt habe: Mit der Beschäftigung "Metall – Holz, Mann – Frau, hart – weich..." etc. entstehen auch Arbeiten mit Titeln wie „Passion“ (Leidenschaft), „Miteinander“ oder „Beziehung“. Mein Versuch, zwei von ihren Eigenschaften grundverschiedene Materialien zusammenzuführen, sie in einen Dialog miteinander zu bringen, führt natürlich automatisch zu einer gewissen Spannung, die scheinbar auf manche Betrachter und Betrachterinnen durchaus auch erotisch wirken kann.
Schöne Grüße
Andres!
